Ist Rückwärtsfahren etwas ganz Banales?

Ist Rückwärtsfahren etwas ganz Banales?

Bist du schon einmal mit den öffentlichen Verkehrsmittel gefahren und hast dort gegen die Fahrtrichtung gesessen? Ist Rückwärtsfahren etwas ganz Banales?

Soziale Netzwerke sind toll! Es wird in Foren Hilfe noch und nöcher angeboten. Wenn du dich dann im Real-Life auch mal genauer umschaust, erkennst du sicher hilfsbedürftige Menschen, die du nicht einfach so anklicken und mit einem Kommentar abfertigen kannst. Pack mit an und reiche eine Hand – du fühlst dich gut danach und der Hilfesuchende freut sich wie Bolle.

Hier nun ein kleines Anekdötchen:

Gestern fuhr ich mit dem Bus zu meinen Freunden. Ich platzierte mich gegen die Fahrtrichtung sitzend hinter dem Busfahrer. Dabei berührte ich versehentlich den Arm eines Passagiers, mit dem ich dann auch gleich ins Gespräch kam.

Die Unterhaltung belief sich dann auf ganz banale Dinge, wie z.B. „Oh, Entschuldigung.“ – „Macht doch nichts. Es ist ja nichts passiert.“ Genauer betrachtet war doch etwas passiert: unsere Blicke trafen sich. Er hatte ganz warme braune Augen, die ihn sehr sympathisch machten.

Nach dieser Mini-Liaison schaute ich mich im Bus um. Flüchtige Blicke trafen die weiteren Passagiere. Es fiel mir leicht ihnen ins Gesicht zu schauen, da alle anderen Fahrgäste sich in Fahrtrichtung gesetzt hatten. Damit meine Beobachtungen den Mitfahrern nicht unangenehm wurden, verschaffte ich mir ein Alibi, in dem ich ein Buch las. Nach ein oder zwei Absätzen im Buch schaute ich wieder auf.

Da war zunächst die Frau mir direkt gegenüber. Sie versuchte wohl mein Buch auf dem Kopf spiegelverkehrt zu lesen.

Die Frau mit dem Kind in der nächsten Bank machte mir den Eindruck, als versuchte sie herauszufinden, woher wir uns kannten. Ich wusste es und lächelte sie an. Worauf sie zurücklächte aber dann den Blick zu hinaus Fenster schweifen ließ.

Der Mann hinter ihnen hatte Probleme seine Augen auf zu halten. Er döste vor sich hin und blickte nur auf, wenn der Bus an einer Haltestelle stoppte.

Ganz hinten auf der Bank saß ein Schüler, der einen etwas betrübten Blick hatte. Vielleicht bekam er eine schlechte Klassenarbeit zurück und überlegte, wie er es nun seinen Eltern beichten sollte.

Dann gab es da noch den alten gehbehinderten Mann, der seinen Rollator festhielt. Mein erster Eindruck war, dass er ein fröhlicher Mensch ist, da er die ganze Zeit mit leicht geöffnetem Mund lächelte.

Seltsamerweise war von meiner Haltestelle bis zu der, bei der ich ausstieg kein weiterer Fahrgast zugestiegen, aber alle waren, bis auf einen, mit mir ausgestiegen. Der alte Mann mit dem Rollator kämpfte sich bis zum Ausgang vor. Niemand wollte ihm helfen – jeder war zu sehr mit sich selbst beschäftigt und eilte weg.

Da ich wegen meiner Beobachtungen mit ihm zu letzt den Bus verließ, half ich ihm selbstverständlich seinen Rollator hinauszutragen und wartete bis der alte Mann wieder festen Stand und Halt an seiner Gehhilfe hatte.

Mein Fazit:

Es ist spannend auch mal gegen die Fahrtrichtung zu sitzen und mit einer veränderten Perspektive in die Gesichter anderer zu schauen. Dann kann es sein, dass man auch Hilfsbedürftige erkennt und einfach mal mit anpackt oder zumindest die Hilfe anbietet. So viel Zeit muss sein!

Welche Erfahrungen hast du gemacht? Lass uns deine Geschichte wissen!

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